ZX Spectrum Next ausprobiert

Ich habe meinen Jugendtraum wahr werden lassen und den ZX Spectrum Next ausprobiert.

Die jüngeren Menschen unter den Lesern dieses Blogs werden sich vielleicht fragen, was um alles in der Welt der ZX Spectrum Next ist und warum das mein Jugendtraum ist?

Dazu machen wir einen kleinen historischen Ausflug:

Anfang der 1980er Jahren waren Computer im Kinder- oder Jugendzimmer nicht so verbreitet. Es gab Geräte wie den C64 oder den VC20. Beide waren teuer und kamen auch erst gegen Mitte der 80er Jahre in Deutschland so richtig in Fahrt.

Was es gab waren Spielkonsolen wie das Atari VCS-System oder – ganz einfach – Pong. Wer spielen wollte, musste entweder in dieses Systeme investieren oder in Spielhallen gehen.

Während die großen Systeme, Atari und Commodore aus den USA kamen, hatte eine kleine Firma in Großbritannien die Idee, einen erschwinglichen Heimcomputer zu entwickeln.

Der ZX80 und der ZX81 – Günstiger ging es kaum

Der ZX81 war der günstigste Heimcomputer seiner Zeit.

Sinclair Research Ltd. brachte mit dem ZX80 und seinem leicht verbessertem Nachfolger dem ZX81 Geräte an den Start, die erschwinglich waren. Man konnte sogar noch mehr Geld sparen, wenn man diese als Bausätze kaufte und sie dann Zuhause selber zusammenlötete.

Ausschnitt aus einer Werbeanzeige für den ZX81.

Mit dem ZX81 begann meine Begeisterung für Computer. Nach langem Bitten und Betteln konnte ich einen in UK bestellen und schon nach wenigen Wochen wurde dieser geliefert.

Auf dem Gerät habe ich im Prinzip Basic programmieren gelernt. Auch wenn der Computer aus heutiger Sicht lächerlich wirkt, hatte er doch einen gewissen Charme. Damit das Gerät so günstig verkauft werden konnte, musste Sir Clive Sinclair (der Erfinder) viele Kompromisse eingehen.

Der Rechner hatte keine Soundausgabe, keine Farbgrafik und die Tastatur (eine beschichtete Folie) konnte man kaum als solche bezeichnen.

Die billige Folientastatur des ZX81 war sein Schwachpunkt.

Endlich mit Farbe – der ZX Spectrum

Dennoch (oder gerade deswegen) hat mich das Gerät gereizt. Länger als zwei Jahre konnte ich mich aber nicht damit befassen, denn dann kam der Nachfolger. Der ZX Spectrum war in vielerlei Hinsicht einfach besser. Er hatte eine bessere Tastatur (auch wenn es sich nur um bessere Radiergummis handelte), eine bessere Grafik, mehr RAM und er konnte auch Ton wiedergeben.

Den Sinclair ZX Spectrum gab es mit 16 oder 48 Kilobytes RAM.

Damit war der „Speccy“ – wie ihn seine Freunde liebevoll nennen – wie gemacht zum Spielen. Seine Grafik und Rechenleistung war besser, als die des Atari VCS, aber er war billiger als der C64.

Anzeige für den ZX Spectrum

In Deutschland hat sich der ZX Spectrum zwar nie so richtig gegen seinen unmittelbaren Konkurrenten – den C64 – durchsetzen können, aber in Großbritannien war er ein voller Erfolg. Viele tausend Spiele sind für den Spectrum erschienen. Darunter auch einige, die man heute als Klassiker und Genrebereiter bezeichnen kann.

Wegen seiner Möglichkeiten und seines unschlagbaren Preises haben Viele, die damals noch Kinder waren, mit dem Programmieren angefangen und wollten (und haben) Spiele für die Kiste entwickelt.

Die Gummitastatur des ZX Spectrums wurde oft und viel belächelt.

Im Laufe der Jahre hat Sinclair immer neue Versionen des Spectrums herausgebracht. Einige mit besserer Tastatur und besseren Speichermethoden, andere mit besserer Grafik und besserem Sound. Doch leider wurde der Speccy vom PC und anderen Systemen dann letztendlich überholt.

Noch heute aber gibt es viele Fans der Maschinen und da auch ich einen Spectrum hatte und dafür Spiele programmiert habe, bin ich auf die Kickstarter-Kampagne zum Spectrum Next gestoßen.

Im Jahr 2017 habe ich mich dann dazu entschieden, diese mit 200 GBP zu unterstützen. Schon drei Jahre später halte ich nun das Ergebnis in den Händen und könnte aufgeregter nicht sein.

ZX Spectrum Next ausprobiert

Der ZX Spectrum Next ist die eine Maschine, sie alle zu vereinen. Basierend auf einer FPGA-Architektur soll er alle Spectrum-Modelle und auch den ZX80/81 darstellen können. Dabei reden wie hier nicht von einer Emulation. Emulatoren für den ZX Spectrum gibt es viele.

Hier werden die ZX Spectrums auf Hardware-Ebene (in der FPGA) nachgebaut. Dabei wird auf größte mögliche Kompatibilität Wert gelegt. Die FPGA wird so programmiert, dass sie die verwendeten Chips nachstellen kann.

Mehr Rechenleistung und mehr Speicher machen den ZX Spectrum Next zu einer modernen Spielemaschine, die sowohl alte Titel, als auch völlig neu entwickelte Spiele wiedergeben kann. Dank der verbesserten Tastatur kann der Rechner außerdem programmiert werden. Dank des beiliegenden umfangreichen Handbuches (ebenfalls eine Reminiszenz an die Zeiten in denen Hersteller noch echte Handbücher beigelegt haben und keine Download-Codes) lernt man die Maschine von Grund auf kennen und bekommt eine gute Einführung in Basic.

Zero Day Update

Alles beginnt, wie in der heutigen Zeit üblich – mit einem Update. Seit der Produktion der Geräte in England sind wieder einige Monate ins Land gegangen. Daher rät der Hersteller, direkt ein Update zu machen. Laden kann man dieses von der Webseite.

Das NextZXOS sorgt für die Koordination der einzelnen Spectrums und es dient der Verwaltung der Software auf der SD-Karte. Von hier aus kann man entweder unmittelbar Programme aufrufen oder den gewünschten Spectrum-Mode starten.

Dadurch verhält sich das Gerät dann wie das jeweilige Original. Auf Wunsch kann man sogar echte Kassetten einlesen.

Der Spectrum Next bietet mehr Farben und eine bessere Grafik als seine Vorgänger. Spiele können diese neuen Fähigkeiten ausnutzen und sehen dadurch wesentlich besser aus.

Hier eine Grafik wie sie der ZX Spectrum normalerweise darstellt.
Zum Vergleich das Bild, wie es der ZX Spectrum Next zeigen würde.

Alleine wegen der verbesserten Grafik und auch des deutlich besseren Sounds hat sich die Anschaffung des Gerätes gelohnt. Der ZX Spectrum Next versteckt nicht, dass er eine Game-Maschine ist.

Dank seiner verbesserten Tastatur kann man auf ihm aber auch gut schreiben. Wenn man sich die Mühe macht, das für den Privatgebrauch kostenlose CP/M zu installieren (nicht zu verwechseln mit dem MCP) kann man zahlreiche Business-Anwendungen der 80er Jahre wieder aufleben lassen.

Wenn man noch Joysticks mit neunpoligem Sub-D-Stecker hat, können diese ohne zusätzliche Hardware am Spectrum betrieben werden. Er hat dazu an der Frontseite zwei entsprechende Ports. Diese unterstützen Cursor-, Kempston- und Interface 2-Protokolle.

Ich habe zwei Joysticks für den ZX Spectrum Next selber gebaut. Wie das geht, habe ich in zwei Videos beschrieben:

Durch eine Taste an der Seite lassen sich jederzeit Screenshots und Spielstände (so genannte Snapshots) speichern. Allerdings nur in den klassischen Modi des ZX Spectrum Next. Ein Feature, das bei alten, schnellen Spielen sicher nützlich sein wird.

Fazit

Die klassische Farbmarkierung darf natürlich auch nicht fehlen.

Mit der erfolgreichen Kampagne auf Kickstarter bekommt der ZX Spectrum und seine zweifellos große Fangemeinde ein neues Spielzeug, dass die Geschichte, die Spiele und die Legende noch viele Jahre am Leben halten wird. Vielleicht sehen wir ja viele neue Spiele für die Konsole.

Vielleicht kann man die Kiste auch einsetzen, um – wie damals in den 1980er Jahren – Kindern das Programmieren von Spielen näher zu bringen. Auch wenn wir inzwischen andere Grafiken und gigantische Spielwelten gewohnt sind, angefangen hat mal alles mit diesen kleinen Maschinen.

In diesem Video habe ich den ZX Spectrum Next ausprobiert:

2 Antworten auf „ZX Spectrum Next ausprobiert“

  1. Schönes Review. Ich beiße mir in den Hintern, den damals nicht gebacken zu haben. Einen weiteren Produktionslauf wird’s wohl nicht mehr geben.

    Das BASIC und die Art der Programmierung war dem, was Commodore zu bieten hatte, tatsächlich weit überlegen. Ich habe damals viel darauf programmiert :-).

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