Die 1980er- und 1990er-Jahre gelten als die goldene Ära der Videospiele. Viele Retro-Games dieser Zeit haben die Videospielgeschichte maßgeblich geprägt und gelten bis heute als Klassiker, die ganze Genres definiert haben. In diesem Blogbeitrag werfen wir einen sachlichen Blick auf einige dieser genreprägenden Klassiker. Von kunterbunten Jump’n’Run-Abenteuern über erzählerische Rollenspiele und Adventures bis hin zu strategischen und actionreichen Neuheiten – diese Spiele setzten Standards für ihr Genre und beeinflussen Entwickler bis heute.
Jump’n’Run und Shooter – Prägende Action-Klassiker
Jump’n’Run-Klassiker: Super Mario Bros. (1985) war ein Wendepunkt für das Jump’n’Run-Genre. Das Spiel für Nintendos NES-Konsole präsentierte sich farbenfroh, leicht zugänglich und mit ikonischen Figuren – Eigenschaften, die Millionen von Kindern und Erwachsenen begeisterten . Besonders bemerkenswert sind die Gameplay-Innovationen, die Super Mario Bros. etablierte, denn viele davon gelten bis heute als Standard des Genres . Zu den prägenden Elementen gehören unter anderem:
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Seitlich scrollende Levels: Erstmals konnte man in 2D-Plattformspielen kontinuierlich nach rechts laufen, wodurch theoretisch unendlich breite Welten möglich wurden .
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Power-Ups: Etwa der berühmte Pilz, der Mario zum „Super Mario“ wachsen lässt – ein Mechanismus zur temporären Verbesserung der Spielfigur, der zahllose Nachfolger inspirierte .
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Warp-Zonen: Versteckte Teleporter erlaubten es, Level zu überspringen, was Entdeckerdrang belohnte .
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Unvergessliche Musik: Der fröhliche Soundtrack von Komponist Koji Kondo wurde zur Hymne einer Generation und ist die bekannteste Videospiel-Melodie – vielfach in Konzertsälen aufgeführt .
Super Mario Bros. verkaufte sich rund 40 Millionen Mal und machte das NES weltweit zum Erfolg . Der Einfluss war so groß, dass Konkurrenten eigene Maskottchen schufen: Sega konterte mit Sonic the Hedgehog (1991) – einem pfeilschnellen Jump’n’Run-Helden – um die Verkäufe des Mega Drive anzukurbeln . Bis heute bleibt Super Mario das Synonym für sein Genre und steht stellvertretend für Retro-Games der 80er.
Shooter-Klassiker: In den frühen 1990ern läuteten zwei PC-Spiele die Ära der Ego-Shooter ein. Wolfenstein 3D (1992) gilt als „Großvater“ des First-Person-Shooter-Genres . Erstmals konnte der Spieler sich frei in einer 3D-Umgebung bewegen und in rasanter Echtzeit gegen Gegner kämpfen. Wolfenstein 3D war ein bahnbrechender Erfolg und half dabei, das Ego-Shooter-Genre zu popularisieren, indem es Maßstäbe für schnelle Action und technische Umsetzung setzte . Schon kurz darauf folgte DOOM (1993) von id Software, das den Siegeszug der Shooter komplettierte. DOOMgilt als einer der einflussreichsten Titel der Videospielgeschichte und wurde sogar als „Vater“ der Ego-Shooterbezeichnet . Es kombinierte packendes Gameplay mit damals fortschrittlicher 2.5D-Grafik und Netzwerk-Funktionen. Die Wirkung von DOOM auf das Genre war enorm: Für Jahre wurden ähnliche Spiele „Doom-Klone“ genannt, und es steigerte die Popularität von Multiplayer-Deathmatches sowie Mods und Custom-Levels deutlich . So sorgte DOOM mit seiner lebhaften Modding-Community und den ersten Online-Mehrspieler-Duellen für Trends, die in späteren Jahrzehnten zum Standard wurden . Die Gewalt-Debatte um dieses Spiel zeigte zudem, welches kulturelle Gewicht Videospiele inzwischen hatten. Zusammen bilden Wolfenstein 3D und DOOM die Wurzeln des Shooter-Genres – ihre fußstapfenreichen Meilensteine sind in modernen Actiongames noch immer zu spüren.
Adventure und Rollenspiel – Wegweisende Story-Meilensteine
Adventure-Klassiker: In den 1980er-Jahren entwickelten sich Adventures vom Textbildschirm zur Grafikpracht. King’s Quest (1984) von Sierra On-Line war eines der ersten Grafik-Adventures und führte die Spieler in eine frei erkundbare Fantasiewelt mit Puzzle-Rätseln und Geschichten. Dieser Titel bewies, dass Computer-Adventures mit visueller Darstellung ein breites Publikum fesseln konnten – King’s Quest wurde zum Ausgangspunkt zahlreicher weiterer Sierra-Serien (z.B. Space Quest, Police Quest). Ende der 80er und Anfang der 90er gelangte das Genre dann durch LucasArts zu seinem Höhepunkt. The Secret of Monkey Island (1990) ist ein Paradebeispiel für das Point-and-Click-Adventure: Humorvolle Dialoge, knifflige Rätsel und ein innovatives Beleidigungs-Schwertduell machten das Piraten-Abenteuer unvergesslich. Kritiker lobten Monkey Island für seinen Witz, die Grafik und das Gameplay, und viele Publikationen zählen es zu den besten Videospielen aller Zeiten . Das Design des Spiels – beispielsweise die weitgehende Abwesenheit eines „Game Over” – setzte neue Maßstäbe in Sachen Spielergüte. Bis heute wird Monkey Island als Klassiker verehrt, der das Adventure-Genre durch filmreife Erzählung und nutzerfreundliche Bedienung maßgeblich geprägt hat.
Rollenspiel-Klassiker: Nur wenig Genres bieten so viel Spieltiefe wie Rollenspiele. Bereits frühe Vertreter aus den 80ern etablierten fundamentale Mechaniken. Vor allem die Ultima-Reihe (1981–1999) von Richard Garriott war hier wegweisend. Die Ultima-Rollenspiele gelten als richtungsweisende Klassiker der Rollenspielgeschichte, denn die drei Ultima-Trilogien prägten viele heute gängige RPG-Mechaniken . Offene Welten mit freier Erkundung, rundenbasierte Kämpfe, Gruppen von Helden (Party-System) und sogar moralische Entscheidungsfindungen (ab Ultima IV mit einem Tugend-System) – all das führte Ultima in den Mainstream ein . Wer in den 80er/90er-Jahren am PC RPGs spielte, kam an Ultima nicht vorbei.
Auf der Konsolen-Seite setzte vor allem Final Fantasy Maßstäbe. Insbesondere Final Fantasy VII (1997) ragt als globaler Meilenstein des JRPG-Genres heraus. Dieses epische Konsolen-Rollenspiel kombinierte eine cineastische Präsentation (vorgerenderte 3D-Zwischensequenzen) mit einer packenden Geschichte. Final Fantasy VII gilt als eines der einflussreichsten Rollenspiele überhaupt . Es verkaufte sich knapp 10 Millionen Mal bis 2005 und verhalf dem Genre der japanischen RPGs erstmals zu breitem Durchbruch in Europa . Die Begeisterung um Cloud Strife und Sephiroth zeigte, dass Rollenspiele auch im Westen Massen begeistern können. Darüber hinaus etablierte FFVII viele spätere Standards, etwa kinoreife Inszenierung und umfangreiche Nebenbeschäftigungen im Spiel. Durch Titel wie Ultima und Final Fantasy wurden Rollenspiele zu einem führenden Genre der 90er: Sie boten riesige Welten, komplexe Handlungsstränge und ein Spielerlebnis, das viele heutige Games noch immer als Vorbild nehmen.
Echtzeit-Strategie – Die Genre-Revolution der 90er
In den 1990ern entstand ein ganz neues Genre auf dem PC: die Echtzeit-Strategie (Real-Time Strategy, RTS). Als Urvater dieses Genres gilt Dune II: Battle for Arrakis (1992) von Westwood Studios. Obwohl Dune II nicht das erste Echtzeit-Strategiespiel überhaupt war, etablierte es doch das bis heute gültige Format für dieses Genre . Basisbau, Rohstoffabbau, das Training unterschiedlicher Einheiten und Armeen in Echtzeit – all diese Elemente wurden hier zur Blaupause. Dune II war somit das „archetypische“ RTS-Spiel und ein großer Erfolg, der den Grundstein für zahllose Nachfolger legte . Westwood selbst entwickelte das Konzept mit Command & Conquer (1995) weiter und schuf damit einen Massenhit: C&C brachte Multiplayer-Gefechte und filmische Zwischensequenzen ins Genre und machte die strategischen Gefechte um Ressourcen auch außerhalb der Nerd-Community populär. Ebenfalls 1994/95 erschien Blizzards Warcraft-Reihe, die Fantasy-Elemente mit dem Echtzeit-Konzept verband – auch sie baute direkt auf dem von Dune II geschaffenen Fundament auf . In kurzer Zeit wuchs Echtzeit-Strategie zu einem der dominierenden PC-Genres der späten 90er heran, gekrönt durch StarCraft (1998) als weltweiten Multiplayer-Erfolg. Die Wurzeln all dieser Spiele lassen sich auf Dune II zurückführen, dessen Einfluss in Features wie Fog-of-War (Kriegsnebel), Tech-Trees und unterschiedlichen spielbaren Fraktionen bis heute spürbar ist. Die 90er-Jahre brachten also eine Strategie-Revolution, deren genreprägende Klassiker das Spielprinzip für kommende Jahrzehnte definierten.
Fazit
Ob Jump’n’Run, Adventure, Rollenspiel, Shooter oder Echtzeit-Strategie – die 80er und 90er haben uns Videospielklassiker beschert, die als Meilensteine ihrer jeweiligen Genres gelten. Diese Retro-Games etablierten Spielprinzipien und Standards, an denen sich noch heute neue Titel messen lassen müssen. Viele der hier vorgestellten genreprägenden Klassiker – von Super Mario über Monkey Island bis DOOM – begeistern auch nach Jahrzehnten neue Spielergenerationen. Sie stehen exemplarisch für die Innovationsfreude und den Pioniergeist jener Ära. Nicht zuletzt erinnern sie uns daran, wie Videospielgeschichte geschrieben wurde: durch kreative Ideen, die zu zeitlosen Klassikern wurden und die Entwicklung ganzer Genres auf Jahre prägten.
Schlagwörter: Retro-Games, Videospielgeschichte, Klassiker, Genres, 80er, 90er.
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