Streaming: Wie man gut und günstig selber sendet!

Livestreams von Konsolen – auch vom PC – werden immer populärer. Plattformen, die diese Streams verbreiten gibt es viele und mit der richtigen Hard- und Software wird Streaming einfach und gut. Ich habe ein paar Tipps dazu gesammelt.

Die Playstation 4 und die Xbox One s/x haben es bereits eingebaut. Mit diesen Konsolen kann man sein Spiel direkt auf die großen Plattformen wie Twitch, Youtube-Gaming und Mixer streamen. Meistens reicht, nach der Ersteinrichtung, ein simpler Klick und man sendet sein Spiel in die Welt.

Wem das genügt, der braucht an dieser Stelle nicht weiter lesen. Vielleicht darf es aber auch ein wenig mehr sein. Der Aufwand wird nicht unvertretbar hoch und die Möglichkeiten werden besser. Mit anderen Worten: Wir verabschieden uns von den eingebauten Tools und erfinden unsere eigene Strategie. Der Vorteil: Wir haben mehr Kontrolle über das was gestreamt wird und wir können auch nach einem Konsolenwechsel einfach weitermachen. Außerdem sind wir nicht an eine bestimmte Streaming-Plattform gebunden.

Dazu setze ich seit Jahren auf die Standardschnittstelle aller Konsolen, den HDMI-Port. Dort liegt das Signal an, dass wir brauchen. Das Spiel und der Ton des Spiels. Also greifen wir hier ab. Das ist keine neue Erkenntnis. Einige Hersteller bieten genau solche Lösungen an. Leider sind diese entweder zu teuer, zu unflexibel oder benötigen bestimmte Betriebssysteme und Computer. Manche auch alles zusammen.

Daher gehen wir hier einen eignen Weg. Um das Video-Signal der Konsole ins Netz zu bekommen, brauchen wir zwei Dinge. Erstens eine Capture-Karte, die das Signal in unseren Rechner bringt. Diese sollte mit MacOS oder Windows arbeiten. (Oder Mit Linux.) Zweitens eine so genannte Encoder-Software, die aus dem Videosignal einen Stream macht und diesen zu einer Plattform unserer Wahl sendet. Wahlweise auch zu einem Verteiler, wie ich in einem anderen Artikel bereits geschrieben habe.

1. Die Capture-Karte.

Da wir System unabhängig streamen wollen, kommt nur eine externe USB-3.0-Capture-Karte in Frage. Solche Geräte gibt es für nicht viel mehr als 100 Euro bei Amazon. Diese Karten benötigen keinen Treiber und arbeiten mit modernen Betriebssystemen wie Windows 10, macOS High Sierra und Linux zusammen. Sie werden vom System als Video-Quelle erkannt. Die meisten haben einen HDMI-Eingang und eine USB-Buchse. Ich kann zum Beispiel diese hier empfehlen.

Damit wird aber auch ein kleines Problem deutlich. Wenn wir das HDMI-Kabel aus der Konsole in die Capture-Karte stecken, bekommen wir es nicht gleichzeitig in den Monitor/Fernseher. Wir würden also selber gar nichts sehen. Dafür gibt es eine sehr billige und praktische Lösung. Einen so genannten HDMI-Splitter. Dieser hat einen HDMI-Eingang und zwei HDMI-Ausgänge. Den Eingang verbinden wir mit der Konsole. Einen Ausgang verbinden wir mit der Capture-Karte, den zweiten mit dem Monitor oder TV. Fertig.

Einen kleinen aber feinen Nebeneffekt haben diese Dinger: sie entfernen – ganz nebenbei – den HDCP-Kopierschutz. Das ist Systembedingt nötig und in unserem Fall auch wichtig, denn die Capture-Karten können keine HDCP verschlüsselten Signale verarbeiten. Man kann aber in den meisten Fällen dieses Verfahren bereits in der Konsole abschalten.

2. Die Encoder-Software

Für den kleinen Gelegenheits-Streamer lohnt sich nicht die Anschaffung einer kostenpflichtigen Software wie zum Beispiel Wirecast oder Gameshow. Beides Programme, die viele Optionen bieten, aber eben auch recht teuer sind. Gameshow ist zwar mit ca. 30 Euro pro Jahr nicht sehr teuer, ich habe aber keine guten Erfahrungen damit gemacht. Teilweise lies sich die Software nicht starten und die versprochenen Updates kamen auch nur sehr zögerlich.

Fast alle Streamer verwenden inzwischen OBS. Das Open Broadcaster Projekt bietet eine sehr mächtige Software zum Encoden und Uploaden von Livestreams. Diese läuft unter Windows, macOS und Linux. Außerdem ist sie kostenlos und Updates kommen regelmäßig. In einem späteren Artikel werde ich genauer darauf eingehen.

Mit Software und Capture-Karte haben wir eigentlich alles zusammen. Aber Halt da war noch was. In einem früheren Artikel habe ich über den guten Ton geschrieben. Mit der jetzigen Ausstattung würde der Ton der am Ausgang der Konsole also am HDMI-Port anliegt übertragen. Wenn wir unkommentiert streamen wollten, wäre das ok. Soll aber noch ein Kommentarton dazu, muss eine Audio-Lösung her.

3. USB-Audio

Damit wir auch beim Audio unabhängig von der Hardware bleiben, empfehle ich eine externe USB-Soundkarte. Diese gibt es auch für kleines Geld und die meisten Geräte arbeiten ebenfalls mit Windows, macOS und Linux zusammen. Für den Einstieg reicht zum Beispiel die Behringer U-Control UCA222. Diese kosten nur 25 Euro und hat einen Stereo Ein- und Ausgang.

Mit dem, in meinem anderen Artikel erwähnten Mischpult und dieser Soundkarte kann dann der Sprachchat, der Kommentar und der Gameton zusammengemischt und an die Encoder-Software weitergeleitet werden. In einem späteren Artikel werde ich einen genauen Aufbau beschreiben.

4. Alles zusammen

Mit den oben erwähnten Komponenten, einem Mischpult und einem guten Headset und/oder Mikrofon kann man professionell anmutende Livestreams anbieten. Der Vorteil dieser Lösung gegenüber propritären Geräten ist die Flexibilität. Dank der Software OBS können wir unseren Stream mit Einblendungen anreichern. In der Regel hat man auch ein besseres Bild, als mit den in den Konsolen eingebauten Encodern und es wird der ganze Bildschirminhalt gestreamt, auch wenn man zum Beispiel im Menü der Konsole unterwegs ist.

Außerdem ist es möglich, auch andere Konsolen zu streamen zum Beispiel auch die von Nintendo gerade wieder herausgebrachte SNES Classic Mini oder den C64 mini. Diese Geräte haben ebenfalls einen HDMI-Ausgang. Wer Retrogames streamen möchte, kann das an dieser Stelle auch tun, einfach durch Umstecken.

Titelfoto: Pixabay, Produktfotos: Amazon, Screenshot: OBS

2 Antworten auf „Streaming: Wie man gut und günstig selber sendet!“

  1. Was wäre deine Empfehlung, wenn man auf einen PC verzichten möchte, also der gleiche Aufbau wie du beschrieben hast, aber dann ein Gerät wie zum Beispiel Avermedia GameCapture HDII oder LGP2?

    1. Bei den Dingern kann man nur zu bestimmten Diensten streamen, also Youtube, Twitch oder vielleicht auch Mixer. Ich kenne zwar nicht die Bedienungsanleitungen, bin aber sehr sicher, dass man dort nicht zum Beispiel restream.io eintragen kann. Wenn einem einer der genannten Kanäle als Ziel reicht, dann ist so ein standalone Ecncoder prima. Auch günstig.

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